Jäger und Künstler
Die Wandlung vom Jägervolk zum "Künstlervolk" lief weder problemlos noch ohne Hilfe ab. Den Inuit erging es wie anderen Naturvölkern: der Kontakt zur sogenannten "Zivilisation" brachte zunächst mehr Nachteile als Vorteile. Erst in den vierziger Jahren, als die meisten Inuit bereits immer elender und von den Weißen abhängiger lebten, begann die Regierung Kanadas, die große Kreativität der "Eskimos" im Schnitzen und Nähen bewusst zu fördern.
Künstler aus dem Süden – aus Toronto oder Montréal – lehrten den Steindruck (Lithographie) und das Anfertigen von kunstvollen Wandbehängen. Das dafür notwendige Papier und die Farben brachten sie mit, ebenso elektrische Handwerkzeuge für das Bearbeiten von hartem Stein. In einigen Orten entstanden florierende Druckwerkstätten und Webereien.

Man gründete Künstler-Kooperativen, die bis heute bestehen, und transportierte die Kunstwerke nach Süden, um dort einen Markt aufzubauen. Die erste große Verkaufsausstellung 1949 in Montréal begeisterte Besucher ebenso wie Kunstkenner – nach drei Tagen waren alle Stücke verkauft.
Heute ist die Kunst für die kanadischen Inuit zum wichtigen Wirtschaftszweig geworden, aber auch ein elementares Ausdrucksmittel geblieben. Es gibt unter den kanadischen Inuit mehr Künstler als in jedem anderen Volk.
